Ein Brief an meine Mutter

von Kathrin Schulze-Oertel

Liebe Mama,

Du schreibst: Für alle von mir verursachten Schmerzen erbitte ich Vergebung, als Vertrauensgrundlage!

Ich weiß, dass ich genau um eine solche Geste jahrelang bat und sie nicht bekam. Und ich danke Dir dafür, dass Du sie mir nicht gabest, ich danke Dir heute dafür, dass Du mir einmal sinngemäß sagtest, ich solle das alles mit mir selber ausmachen; was ich damals leider nicht verstand. Du hattest mich damals nur zum Schein vor den Kopf gestoßen, in Wahrheit war dies bereits der Hinweis auf den „Kurs in Wundern“.
Mami, liebste Mami, es gibt nichts, was ich Dir vergeben müsste, wirklich nicht!
Wenn, dann nur, wenn Du willst, dann vergib auch du!
Aber bitte nicht um Vergebung, gib sie!
Wenn, nur, wenn Du willst, dann vergib mir und allen anderen, was ich nicht getan habe und sie auch nicht getan haben! Und vergib Dir, als dem, der dachte, dass wir es getan hätten, denn Du wusstest nicht, was Du tatest! Ich wusste auch nicht, was ich tat, als ich Dir noch Vorwürfe machte und auch nicht, als ich von Dir erwartete, dass Du Dir meine Wunden, die ich glaubte durch Dich erlitten zu haben, anschaust und mich um Verzeihung bittest!
Es hilft mir in keinster Weise, es hilft niemandem, wenn Du auf eine solche Art um Vergebung und um eine Vertrauensgrundlage bittest oder eigentlich bettelst.

Ich will und muss lernen wirklich zu vergeben!
Ja, ich muss, weil ich immer mehr eines erlebe: An den Früchten wirst Du Dich (werdet ihr sie) und kann ich mich erkennen.
Das heißt, wenn ich die Früchte, die ich ernte, also mein Leben oder einen Aspekt meines Lebens, nicht mag, diese Früchte also regelrecht ungenießbar finde, dann muss ich eine andere Saat auslegen, eine andere Ursache geben. Denn immer bin ich die Ursache meiner Wahrnehmungen, welche allesamt Illusionen sind. Das muss ich begreifen!
Und was säe ich, oder zunächst einmal, wie säe ich?
Durch alles, was ich gebe: meine Gedanken, meine Gefühle, meine Worte, Gesten und Taten, durch ausnahmslos jede Äußerung.
Und was säe ich? Bisher waren es immer nur meine Urteile in Form von Gedanken, Gefühlen, Worten, Taten und jede andere Äußerung.

Ich kann gar nicht anders als geben Jeder von uns tut nichts anderes! Warum? Weil wir Gott gleich sind. Und ich muss an dieser Stelle das „wir“ benutzen, denn nicht ich alleine, sondern wir alle sind es, wir sind Eins. Ich stehe nicht über und nicht unter allen anderen oder einem Teil davon.
Geben geschah in meinem Leben bisher immer sehr unbewußt, also achtlos. Ich wusste ja gar nicht, was ich da tat. Ich wusste nicht, dass meine Gefühle von mir gemacht werden. Ich dachte doch immer, sie seien die unwillkürliche Reaktion auf eine von mir unabhängige Ursache, und ich glaubte immer nur Opfer zu sein. Ich glaubte, dieses und jenes tun zu müssen, weil andere Umstände oder Menschen es so verlangten. Dass das nur scheinbar so ist, muss ich erst lernen, aber ich erlebe es durch mein Lernen immer öfter und bewusst. Und glaub mir, es fühlt sich nicht sehr gut an. Darum will ich alles anders machen, und diesmal richtig anders oder wirklich anders! Nicht wieder nur ein neues, anderes Urteil fällen. Nein!
Ich muss also lernen, erst mal wahrzunehmen, was ich so alles verursache (meine Früchte erkennen), und dann kann ich es berichtigen und etwas ganz anderes geben lernen. Ich kann lernen, anstelle von bösen Samen gute Samen auszulegen.
Und das kann ich alles in meinem Geist tun. Du hattest damals recht! Ich muss nicht mehr darüber reden, mit Dir nicht und mit niemandem. Gehe einfach davon aus, dass ich Dir vergeben habe, und also die Vergangenheit keine Macht mehr hat. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Denkmäler verhindern, dass wir die Fehler der Vergangenheit wiederholen, einfach nur ein Irrtum! Fehler müssen berichtigt werden. Nur so können wir sie vergessen. Wir müssen sie vergessen. Sonst werden sie immer wieder getan. Wem nützt es, sich immer wieder an alte Fehler zu erinnern?
Das Ego holt sie immer wieder in die Zukunft, als scheinheilige Warnung vor dem Unglück, und verhindert so die glückliche Gegenwart. So verhindere ich immer wieder das Jetzt, das frei von Belastung ist. Damit muss Schluss sein!

Und wer sagt mir denn, was gute und was böse oder schlechte Samen sind? Was für mich gut war und ist, kann für Dich oder jemanden ganz anderen schlecht sein. Was nicht für alle gut ist, ist nicht gut! Ich will keine faulen Kompromisse mehr machen!
Ich muss zurücktreten und einsehen: Ich weiß es gar nicht. Was gut ist, weiß ich wirklich nicht, ich hab keine Ahnung!
Alles, was ich bisher wollte, hat irgendjemandem an irgendeiner Stelle, irgendwie oder irgendwann geschadet, alles. Selbst das vermeintlich Allerbeste.
Ich komme langsam zu diesen Einsichten und darum gibt es wirklich nichts, was ich bewahren müsste.
ABER:
GOTT ist alles, Was ist! Sonst nichts.
Was ich bisher wahrgenommen habe, ist nur eine Illusion, ein Traum, eine leere Fassade. Es ist ein Schleier, der etwas verdeckt: Ich bin Liebe und mit Dir und allen Eins. Wir sind in Wahrheit und in alle Ewigkeit Liebe! Und diese Liebe ist es, die in alle Ewigkeit bleibt! Ganz sicher! Und diese Liebe ist auch das Einzige, was wirklich ist, was durch unsere Urteile und Unterscheidungen lediglich verschleiert und verdeckt wurde.

Wenn ich also alles aufgebe, dann nicht gegen Dich, sondern für die Liebe, die Du bist, die wir sind. Ich will sie endlich sehen, diese Welt der Liebe, der göttlichen Liebe.
Bis ich das kann, muss ich viel Vergebung, Liebe, Güte und Gnade geben und allen dienen. Und auf diese Weise kann ich Heilung geben, damit meine Welt heilen kann, damit wir heilen können.
Mein Geben ist mein Empfangen!

Ja ich gebe Vergebung, auch Dir, aber Vergebung für alles, was Du
n i c h t getan hast! Und ich nehme die Sühne an, um nicht in Selbstbeschuldigung zu verfallen.
Ich erkenne dann hinter dem Schleier, dass Du mich immer geliebt hast und dass wir uns, nein, dass ich mich, lediglich, durch ein dummes Spiel von Angst und Sorge und Schuld und Trennung, um die Wahrheit gebracht habe.
Es gibt also in Wahrheit nichts zu vergeben. Was denn auch? Denn all das, was Du angeblich getan haben sollst, ist nicht wirklich. Es war nicht wirklich. Denn: Einzig und allein meine Urteile waren es, die diesen Albtraum, den ich durch meine Urteile erzeugte, scheinbar wirklich machten.
Jeder von uns schafft hier seine eigene Welt durch seine ganz individuellen Urteile. Manchmal schließt man sich dem Urteil eines anderen oder einer Gruppe an, aber das ändert nichts daran, dass dies wieder nur Urteile sind, die mit der Wahrheit nichts zu tun haben.
Wenn ich diese Urteile alle aufgegeben habe, dann werde ich von diesem Traum erlöst sein.
Dazu brauche ich Geduld, um erleben zu können, dass die alten Früchte keinerlei Bedeutung mehr haben und einfach nur vergehen und die neue Saat aufgeht. Dann werde ich (ich weiß es noch nicht, aber ich glaube es) alle meine Brüder (die alle eins sind) von meinem Urteil erlöst haben, welches da heißt, dass sie genau wie ich träumen und den Kurs genauso brauchen wie ich. Darum kann ich niemandem sagen, er soll den Kurs machen – ich bin es, der den Kurs machen muss. Und jedem anderen steht es frei, sich genauso zu entscheiden.

Das im Alltag umzusetzen, scheint nicht immer leicht zu sein, aber nur wegen der Konditionierung, welche ich überwinden muss, um meinem Ziel näher zu kommen. Und hier kann ich ruhig sagen, der Weg ist das Ziel. Ich will nur noch lieben – ohne Ausnahme! Alles andere muss ich mir noch abgewöhnen. Ich muss es immer wieder berichtigen, bis es nichts mehr geben wird, was zu berichtigen wäre.
Dir in meiner ersten Mail den Kurs in Wundern erklären zu wollen, war töricht, das geht nicht. Schau ihn Dir an, wenn Du was über ihn wissen willst. Und wenn nicht, dann nicht. Es ist Deine Entscheidung. Ich kann ihn lediglich erwähnen, und ob Du darüber etwas wissen willst, kann ich nicht beeinflussen. Und wenn, dann frag den Kurs und nicht mich.
Ich weiß, Du hast mich nicht gefragt, das war eben ein Selbstgespräch. Ich will mich nur korrigieren, denn da brach in mir der Agitator von einst wieder mal durch.

Michael ist nur ein Teil von mir in Form von seiner Person. Er ist der Teil, der mir auf sehr glasklare, kompromisslose Weise zeigt, wie sehr und an welcher Stelle ich mich in dem Schleier der Illusionen verstrickt habe. Seine Worte helfen, die Tricks des Egodenksystems zu durchschauen, um immer weniger darauf reinzufallen. Es erleichtert mir mein Lernen, das Lernen des Kurses, wesentlich.
Michael ist kein Götze, sondern nur ein Lehrer, der sich als Lehrer selbst, durch das, was er lehrt, eines Tages überflüssig gemacht haben wird. Jeder von uns ist ein Lehrer. Wir sind Lehrer und Schüler zugleich (auch Michael). Ich entscheide lediglich ständig, welchem Lehrer ich folge. Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob ich die Lehre eines anderen Ego übernehme, oder ob ich zurücktrete und auf das höre, was der heilige Geist sagt, der sich uns allen gleichermaßen mitteilt und welcher unsere reine innere Stimme ist. Ich muss nur endlich hinhören und das, was mir diese Stimme für Gott zu sagen hat, lehren. Nur so kann ich es lernen.
Denn es ist ein Gesetz: Mein Geben ist mein Empfangen.
Lehren ist Geben und Lernen ist Empfangen. Das stimmt immer!
Ich muss mir nur bewusst machen, was ich ständig lehre und zwangsläufig lerne, denn an den Resultaten kann ich es erkennen. Das ist gnadenlos, wie Michael es immer so knallhart sagt. Und er hat recht! Es ist aber nur mein altes Denken, was so gnadenlos ist. Ich kann damit aufhören und kann stattdessen Gnade geben und werde sie dann auch empfangen, bedingungslos.
Der Kurs in Wundern ist ein Kurs, der sich am Ende selbst überflüssig macht.
Bis ich so weit bin, vergeht allerdings noch einige Zeit und benötige ich noch so manchen Raum. Meine Lektionen sind all die Lebenssituationen und Menschen, die mir begegnen. Darum kann ich für alles und jeden dankbar sein.
Es gibt nichts außer der Liebe, nur die zählt! Alles andere ist bedeutungslos! Ja, bedeutungslos!
Die Vergangenheit ist bedeutungslos und alles was nicht Liebe ist, ist bedeutungslos! Das ist so erlösend …
Das ist mein Kurs für alle Zeit. Ein Zurück kann es da nicht mehr geben. Denn ich weiß nur eins: dass ich wirklich nicht mehr so wie bisher träumen will. Ich will nicht mehr leiden und auch nicht, dass es mir nur scheinbar gut geht, weil dann mindestens ein anderer darunter leiden könnte und weil alles Gute nie von Dauer wäre. Ich lege keinen Wert mehr auf Konflikte, nicht den geringsten. Ich lege keinen Wert mehr auf Schmerzen, nicht auf Krankheiten oder Verlust, aber auch nicht mehr auf Gewinn, Gesundheit usw., solange diese auch nur die andere Seite ein und derselben Medaille sind.
Ich kann, nein, ich will auf das Vergängliche verzichten und höre auf, das eine gegen das andere aufzuwiegen und zu vergleichen!
Darum gibt es nichts, woran ich anknüpfen will oder muss.

Ich liebe Dich, egal was scheinbar war! Und es ist alles anders, auch wenn es noch eine Weile braucht, bis es sich zeigt.
„Du bist die beste Mami auf der ganzen Welt“, würde unsere kleine Kathi sagen. Ich fühle es endlich wieder so, und ich will niemanden mehr ausschließen, das solltest Du wissen.
Es wird mich sehr glücklich machen, wenn ich in Dir, in Papi, in allen, auch in dem, von dem ich einst glaubte, verletzt worden zu sein, meinen Bruder erkennen kann. Denn dann gibt es nichts mehr zu fürchten.
Lass uns einfach neu beginnen und vielleicht auch entdecken, dass das, was wir uns heute vergeben, nur ein bedeutungsloser Traum war, weiter nichts!
Ich liebe Dich und ich vertraue Dir, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Alles was mir noch begegnet, mit Dir und durch Dich oder andere, wird mir helfen, mich von meinem Traum zu erlösen.
Nie wieder will ich die Liebe, die ich nicht gemacht habe, die ich bin, als bedeutungslos ansehen, sie ist es, die alles bedeutet.
Die Liebe, die ich glaubte machen und sein zu müssen, hat keinerlei Bedeutung! Ich bin mehr und muss mich mit weniger nie wieder zufrieden geben.
Das Jetzt ist kein Ergebnis der Vergangenheit. Jetzt ist das, was ich sehen und erleben kann, wenn ich aus meinem Traum erwache und die Schleier lüfte.
Jetzt will ich mit Dir und allen Brüdern sein! Ich brauche nur grenzenlose Geduld – ich kann warten – und Disziplin im Lernen und Üben, damit sich mir der Himmel öffnet, der nirgendwo anders ist als hier.
Das ist es, was manche Meister mit dem Leben im Hier und Jetzt meinten.
In Liebe, Kathrin

2 Gedanken zu „Ein Brief an meine Mutter“

  1. Danke , liebe Kathrin, für Deinen ehrlichen Brief an Deine Mutter. Auch ich konnte schon so erlösend mit meiner Mutter reden, und weitere vergebende Schritte werden noch folgen. Wahre Vergebung heilt kontinuierlich und ohne Ausnahme. Das ist wunderbar.
    Es hilft immer dem Ganzen, -es dehnt sich aus , auf alle Brüder, die so vom Heiligen Geist berührt werden können.
    Gottes Segen ist mit Dir und wirkt durch Dich.
    Uli

  2. vielen dank für diesen lieben und klaren Brief
    morgen treffe ich meine Mutter und ich weiß jetzt das die Liebe mit mir geht
    und nur Vergebung in meinem Herzen sich ausdehnt
    der Kurs hat mein Leben neu erschaffen und geformt
    ich bin reine Liebe und bin auf dem Weg zur vollkommen Vergebung
    danke nochmals und alles liebe Eckart

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