… dann will jetzt wirklich, dass es vorbei ist, Bruder!

In der Session vom 4. November, morgens, zu Lektion 308, hat Michael uns ganz klar erklärt, wie wir – „dank“ dem Ego-Denksystem – weiter in unserem Leid der Vergangenheit bleiben „können“. Hier findest du einen Auszug der ersten 45 Minuten von dieser Session: (Die Kurszitate sind blau geschrieben)

Die Sichtweise des Heiligen Geistes will dir immer wieder helfen, etwas zu bemerken, was du vorher einfach nicht bemerken konntest, weil es so selbstverständlich war. Während, wenn du anders drauf schaust, dann bist du selber in der Lage etwas zu sehen, was du vorher nicht gesehen hast, weil du blind warst, etwas zu fühlen, was du vorher überhaupt nicht gefühlt hast. Weil die Bedeutung, die du dem gegeben hattest, alle Bedeutung war, die es für dich dann hatte, während es in Wahrheit eine ganz andere Bedeutung hat. Heute beschäftigen wir uns mit dem Konzept, wieder einmal, mit dem Konzept der Zeit.

 »Dieser Augenblick ist die einzige Zeit, die es gibt. Ich habe mir die Zeit in einer solchen Weise vorgestellt, dass ich mein Ziel vereitle.«

Jeder hat das Ziel nicht mehr zu leiden, jeder. Jeder, der leidet, hat das Ziel nicht mehr zu leiden. Wenn ich mir aber Zeit so vorstelle, wie ich es tue, dann erreiche ich das Ziel nicht. Und jetzt kommt genau die Information, die du brauchst, und dann wirst du selber bemerken, wie du dein Ziel vereitelst. Nehmen wir ein ganz deutliches Ereignis: Wenn du im zweiten Weltkrieg gewesen wärest, machen wir es noch deutlicher, in einem KZ, dann wärest du währenddessen froh gewesen, wenn es endlich vorbei ist. Währenddessen wünschst du dir immer, dass es vorbei ist. Und warum willst du es dann, wenn es vorbei ist, wieder erinnern? Genau, das machst du aber. Während du etwas ganz Schlimmes erlebst, wünscht du dir nichts sehnlicher, als das es vorbei ist. Während dich jemand schlägt, wo du also ständig erinnerst, dass er dich schlägt, wo du ständig erinnert wirst … jeder Schlag erinnert dich wieder, jeder Schmerz erinnert dich, was gerade passiert. Und während du also ständig daran erinnert wirst, dass es weh tut, wünschst du dir, dass es vorbei ist. Was machst du, wenn es vorbei ist? Du behältst es in der Erinnerung. Und das ist ein völlig verrückter Wunsch. Auf diese Wiese vereitelst du dein Ziel. Nämlich welches Ziel? Ja, welches Ziel hast du denn: dass du es nicht mehr erinnerst. Denn solange du es erinnerst, tut es doch weh. Erinnern heißt doch, etwas was passiert, in der Gegenwart zu erinnern, in der Gegenwart zu erleben. Erinnerung ist doch immer etwas Gegenwärtiges, immer.

Wir haben gestern die Lektion gehabt: »Widerstreitende Wünsche können nicht mein Wille sein.« Das, was ich gerade erzählt habe, ist ein widerstreitender Wunsch. Während es passiert, will ich es nicht erinnern – wenn es nicht mehr passiert, will ich es erinnern. Das heißt, ich will, dass es immer noch passiert. Und es passiert ja dann auch immer noch, in meiner Erinnerung. Ich fühle mich ja dann immer noch verletzt, ich fühle mich verletzt. Ja, merkst du das? Während der andere dich schlägt, fühlst du ja auch, dass er dich verletzt. Wenn du die Erinnerung nicht aufgibst, fühlst du immer noch die Verletzung. Warum? Obwohl er dich nicht mehr schlägt, fühlst du den Schmerz. Was ist jetzt die Ursache? Wer ist die Ursache? Du bist die Ursache – weil du es erinnern willst! Und das ist tatsächlich ein seltsamer Wunsch, nicht zu wünschen, dass die Zeit vorbei ist. Nein, nicht zu wünschen, dass der Schmerz vorbei ist, sondern tatsächlich den Schmerz zu behalten.

Du entscheidest dich im Geist für den Schmerz. Und weil die Idee des Schmerzes in deinem Geist ist, fühlst du auch den Schmerz. Warum? Weil denken und fühlen eins sind. Brauchst du dazu noch jemanden der dich schlägt? Nein, du brauchst nur die Erinnerung und die ist in deinem Geist. Für diesen Schmerz bist du verantwortlich, nicht der andere. Warum? Weil der andere längst aufgehört hat, dich zu schlagen. Du kannst ihm längst vergeben, was er überhaupt nicht – getan – hat. Denn er tut es ja gar nicht mehr. Was ist das? Das ist Psychotherapie! Denn eine Körpertherapie brauchst du nicht mehr. Er hat ja aufgehört, dich zu schlagen, er hat aufgehört, dich anzubrüllen, er hat aufgehört, dich zu mobben, er hat aufgehört, dich zu beleidigen. Er ist überhaupt nicht mehr da. Das kann sein, dass der Körper schon tot ist oder an einem ganz anderen Ort. Während du dich selber kreuzigst. Und darum sagt dir der Kurs: Wenn du dich erlösen willst, dann musst du schon selber vernünftig werden. Dann brauchst du wirklich keine körperliche Heilung. Du brauchst jetzt überhaupt nicht mehr jemanden, der dich in den Arm nimmt. Denn was nützt es dir, wenn dich jemand in den Arm nimmt und du erinnerst den Schmerz. Dann ist deine Erinnerung viel mächtiger, als die körperliche Umarmung. Die körperliche Umarmung kann das nicht wegmachen, weil die Ursache in deinem Geist ist. Und mit dem Kurs sollst du begreifen, dass, solange du nicht alle Erinnerungen auslöscht, wird dich wieder jemand schlagen; weil du ständig Schmerz erinnerst, wird dich wieder jemand mobben. Und dasselbe ist mit Krankheiten auch so – wirst du wieder krank werden. Wenn du deine Kinderkrankheiten dir erinnerst, wenn du dir vorstellst, was es alles für Krankheiten geben wird. Und es ist tatsächlich nur die Heilung des Geistes, die du aber, weil du dieses Denksystem so kompliziert gemacht hast oder so unterschiedlich oder auf so vielen Ebenen … wo du die Zeit tatsächlich, die Idee der Zeit, so benützt, dass du die Erinnerung behältst.

Weil du die Vergangenheit im Geist erinnerst, erinnerst du auch den Schmerz. Und weil du den Schmerz erinnerst, machst du ihn wieder wirklich. Also, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als dich gegen den Schmerz zu entscheiden und den Fehler, den Erinnerungsfehler, also, dass du das immer noch erinnerst, in deinem Geist berichtigst. Und dafür musst du die Zeit und alles was da drinnen passiert ist, wirklich anders behandeln. Und das ist Psychotherapie. Psychotherapie ist niemals dass, was du mit dem Körper an Heilung gemeint hast, Psychotherapie ist tatsächlich nur Vergeben, ist nur Berichtigen, es ist nur die eine Idee, durch die andere Idee zu ersetzen. Das ist überhaupt keine Handlung, es ist nicht … wenn du einen Körper therapierst, dann machst du etwas mit der Wunde. Du machst etwas damit, du legst eine Salbe drauf, du trinkst einen Tee, du ernährst dich irgendwo anders. Du operierst und wenn du nur einen Dorn rausziehst aus einer Wunde oder wenn du eine Eiterblase öffnest, dass da Eiter abfließen kann. Und dann machst du irgendeinen antiseptischen Umschlag, ob das mit antiseptischen Kräutern oder Salben ist, bleibt dir dann überlassen. Das ist sozusagen Heilung.

Aber eine Erinnerung, die kannst du nicht mit dem Körper wegheilen, weil es eben nicht so ist, dass die Erinnerung im Körper gespeichert ist. Die ist im Geist gespeichert. Im Körper hast du dann notgedrungen den Schmerz – du hast ihn da nicht gespeichert. Weil die Erinnerung im Geist ist, projizierst du Schmerz. Schmerz ist immer körperlicher Schmerz – auf den Körper. Und dann ist er wieder im Körper, als ob er da gespeichert wäre. Er ist aber nicht im Körper gespeichert, er ist tatsächlich nur im Geist, weil du dir immer geschworen hast, dass darf ich nicht vergessen. Weil du ja auch dein Geburtsdatum nicht vergessen willst. Weil du das ja auch gespeichert hast. Weil du dich an deine Kindheit erinnern willst, weil du aus der Erinnerung lebst und Erinnerung, Vergangenheit und Zukunft untrennbar miteinander verknüpfst. Das musst du aber nicht tun.

Wenn du heilen willst, darfst du es nicht tun! Wenn du heilen willst, musst du die Zeit anders verwenden, weil du dein Ziel selber boykottierst. Weil du dein Ziel, das du hast, und das ist ein ganz vernünftiges Ziel, heilen zu wollen … Es gibt in dieser Welt kein vernünftigeres Ziel. Das Ziel zu Gott zu kommen, ist kein vernünftigeres Ziel, denn Gott kommt zu dir. Aber das Ziel zu heilen, das ist vernünftig. Oder das Ziel die Bedeutung, die Eigenschaft von Liebe zu lehren oder die Bedeutung von Liebe ist kein vernünftiges Ziel, weil das nicht von dir ausgeht. Aber alle Illusionen zu berichtigen – das musst du, weil die Illusionen sehr wohl von dir ausgehen, und die Verwendung der Zeit, weil du die Zeit gemacht hast. Und zwar alleine ist das von dir ausgegangen – Vergangenheit und Zukunft. Und Erinnerung sollte sich immer auf die Vergangenheit beziehen. So untrennbar, dass du dir erst gar nicht vorstellen kannst, dass du das ändern kannst. Das du die Vergangenheit vergessen kannst, um die Gegenwart zu erinnern.

Und das genau ist Psychotherapie – das ist es, was der Kurs vertritt. Wo der Kurs etwas völlig anderes über die Verwendung der Vergangenheit sagt, als das Ego und etwas völlig anderes über die Gegenwart, als das Ego. Das Ego vergisst permanent die Gegenwart, wegen der Vergangenheit. Und es bedroht dich sogar: Vergiss ja nicht die Vergangenheit. Obwohl du, als die Vergangenheit noch gegenwärtig war, nichts anderes wolltest, als dass das endlich aufhört, als dass die Zahnschmerzen, die Schläge, die Vergewaltigungen, die Kriege endlich aufhören. Dass endlich dein Vater aufhört, dich zu schlagen, dass endlich der Lehrer aufhört, dich vor der ganzen Klasse bloßzustellen. Das hast du dir sehnlichst gewünscht und kaum hat er aufgehört, hast du es erinnert und hast es aufgeschrieben, hast mit noch jemanden darüber gesprochen, mit noch jemanden, noch mal mit jemanden, 50 Jahre später noch mal mit jemanden.

Und darum bleibt die Idee, erinnert in deinem Geist, in deinem  g e g e n w ä r t i g e n  Geist. Also ist eine Heilung von dir überhaupt nicht gewollt. Und es ist tatsächlich ein widerstreitender Wunsch – während es passiert, zu wollen, dass es vergeht – und zwar ganz. Und kaum ist es vergangen, willst du nicht mehr, dass es vergeht. Das hängt damit zusammen, weil du die Macht des Geistes für viel kleiner einschätzt, als die Macht des Körpers. Das hängt mit einer auf dem Kopf stehenden Wahrnehmung zusammen, weil du immer noch glaubst, die Schläge sind die Ursache für deine Erinnerung. Und der Kurs sagt dir nein, am Anfang war das Wort, nicht die Tat. Ehe dich jemals jemand geschlagen hat, war die Idee da, dass dich jemand schlägt. Erst lehrst du, dann lernst du und dann erst manifestiert es sich. Nie war der erste Schlag die Ursache; nein, der erste Schlag war das Letzte, war die Wirkung. Und wir gehen immer an diesen Anfang zurück und der Anfang ist nicht im Körper, sonst hätte ein Körper den Körper erschaffen. Nein, ein Körper hätte den Geist erschaffen. Das stimmt aber nicht, ein ewiger Geist, der vor dem Körper existiert, während der Körper scheinbar existiert, immer noch existiert und nach dem der Körper überhaupt nicht mehr wahrnehmbar ist, immer noch existiert. Also muss ich die Ursache, ungeachtet dessen wo ich glaube, dass die Ursache liegt, in meinem Geist finden und jetzt ist es nicht mehr eine Tat, die ich erinnere, sondern ein Gedanke, den ich erinnere. Und die Wirkungen des Gedankens erinnere ich natürlich auch, klar. Der Körper ist ein Teil meiner Wahrnehmung, ein Teil.

Jetzt muss ich tatsächlich diesem Kurs, ich muss diesem Lehrer folgen, weil ein ungeheilter Heiler, völlig egal, ob der Mediziner ist oder Psychotherapeut, ob der mein Freund ist, der irgendetwas studiert hat oder nicht, weiß das nicht. Warum nicht? Weil Jesus uns sagt: „Es liegt jenseits deiner Erinnerung.“ Du kannst nur Taten erinnern, ohne Hilfe, weil du dir geschworen hast, in den Geist schaust du nicht. Also erinnerst du nicht, dass am Anfang der Wunsch war, geschlagen zu werden. Das muss ein Wunsch sein, denn eine Gabe von Gott ist es nicht. Und alles was nicht eine Gabe ist, ist ein Wunsch. Der Wunsch zu sterben – ein widerstreitender Wunsch, der Wunsch geschlagen zu werden – ein widerstreitender Wunsch, der Wunsch gemobbt zu werden, krank zu werden, erleben zu müssen, wie etwas, was du liebst, vor deinen Augen missbraucht und gequält wird und unter deinen Händen stirbt, das ist ein Wunsch von dir. Das kannst du nicht erinnern, weil du, als du den Wunsch hattest, keine Ahnung hattest, was du erleben wirst. Weil es sich erst … erst musstest du es lehren, dann musstest du es lernen, und dann erst hat es sich manifestiert. Also wusstest du beim Lehren überhaupt nicht, was da passiert. Das kannst du heute noch sehen, wenn ein Einstein eine Atombombe erfindet, hat er keine Ahnung, was passiert, wenn die  das erste Mal losgeht, das weiß er nicht. Das zeigt erst, wenn die erste Atombombe explodiert ist – dann erst hast du die Erfahrung, wenn es sich manifestiert hat. Wenn ein Handy erfunden wird … oder der PC oder das Internet weiß keiner was da alles passiert. Erst lehrt er es, er hat also die Idee des Internets, dann lernt er es; er entwickelt das Konzept und dann baut er es, dann manifestiert es sich. Und dann erlebst du: Meine Güte, was hab ich denn da wieder gemacht! An den Früchten kann ich mich erkennen. Es wusste niemand, dass so viel Gewalt dadurch entstehen wird, das weiß keiner. Ein Wissenschaftler hat einfach nur eine Idee, einfach nur eine Formel, er entdeckt irgendwo das Atom, entdeckt, dass man es spalten kann, ist sich schon klar, da wird eine ungeheure Macht freigesetzt, aber er hat doch keine Ahnung, was dann alles passiert. In einer Welt der Illusionen kannst du es nicht wissen.

Und darum musst du dir vergeben, denn du wusstest nicht, was passiert, wenn du den Wunsch hegst zu sterben. Warum? Weil du keine Erfahrung hattest, was es bedeutet, zu sterben. Du bist doch ein   e w i g e s   Wesen. Und das ist es, was der Kurs dir immer wieder sagt, darum hast du ja deine Unschuld nicht verloren. Aber, jetzt musst du wieder zurückgehen und musst dir eingestehen: Es ist ein Wunsch, geschlagen zu werden, weil es nicht eine Gabe ist, die du vom Vater empfängst. Und das ist überhaupt nicht schwer zu verstehen. Warum? Wenn du dir ein Fahrrad wünscht, mit dem du einen schrecklichen Unfall haben kannst, dann hast du dir einen Unfall gewünscht, wenn du dir ein Fahrrad wünscht. Das muss dir einfach mal klar sein, damit diese Kindheit mal vorbei ist, wo du dann sagst: „Ja, wie konnte mir das passieren?“ „Ja, ich habe es mir doch gewünscht; na, ich habe mir doch nur ein Fahrrad gewünscht.“ Na, eben, was ist ein Fahrrad?

Widerstreitende Wünsche. Ich habe mir einen Körper gewünscht. Ja, wozu? Damit ich leben kann? Damit ich sterben kann – ja und damit ich leben kann. Ja eben! Widerstreitende Wünsche. Nur aus dem Grund, wenn du so vernünftig wirst, wenn du so einsichtig wirst, dann ist die Kindheit deines Wunschdenkens vorbei und dann sagst du auch nicht mehr: „Ja, ich muss …“ Und dann wird dir tatsächlich klar: du bist verrückt, wenn du dir wünscht, geschlagen zu werden. Du bist verrückt – solange du dieses Denksystem lehrst, also so lange du das Ego als Lehrer wählst, weil du nur verrückte Sachen erleben wirst. Aber am Anfang steht nie die Tat – immer das Wort – also immer der Gedanke. Und dann erst kommt die Tat. Sonst wäre der Kurs Körpertherapie. Er ist aber ausschließlich Geistestherapie, er ist ausschließlich  G e i s t h e i l u n g. Weil nur wenn die passiert, kommt es nicht mehr zu Taten. Es ist der Heilige Geist, der dich auffordert, die Zeit, wenn du das Ziel erreichen willst … und es gibt keinen Menschen, der nicht das Ziel erreichen will, nicht mehr zu leiden. Aber fast alle Menschen vereiteln ihr eigenes Ziel und sie wissen nicht, wie sie es machen. Sie beschuldigen sich und andere, ohne aber durch die Beschuldigung, die sozusagen eine Analyse sein soll, wirklich herauszufinden woran das Ganze liegt.

Und darum brauchen wir viel mehr Geduld und müssen viel mehr die Beziehungen als verpflichtend sehen, um zu heilen, weil wir sonst glauben, in der Beziehung ist es verursacht worden. In der Beziehung ist überhaupt nichts verursacht worden – das ist in deinem Geist verursacht worden. Und in der Beziehung hast du die Wirkungen erlebt. Das muss geklärt sein. Die Beziehung ist nicht eine Liebesbeziehung, die nicht funktioniert oder eine Hassbeziehung, die nicht funktioniert, sondern die ist in Wahrheit … in Wahrheit sind wir eins, in Wahrheit ist es eine heilige Beziehung. Aber in deinem Geist benützt du Beziehungen falsch. Um die Gedanken, die nur in deinem eigenen Geist sind … die agierst du in Beziehungen so aus, dass du glaubst, in der Beziehung passiert die Ursache. Und darum müssen die Beziehungen völlig anders wahrgenommen werden – die sind harmlos. Der Angriff ist ausschließlich in deinem Geist! Und wenn du ihn da aufgibst, dann erlebst du auch wieder, dass die Beziehungen harmlos sind und dass sie heilen. Und darum musst du dir nicht von einem anderen Heilung erwarten, weil du sonst immer noch glaubst, du hast vom anderen … vom anderen bist du verletzt worden. Nein, du bist nicht vom anderen verletzt worden und du brauchst auch nicht von einem anderen eine Heilung. Ich bin von meinem Vater verletzt worden, also brauche ich einen Freund, der mich heilt. Das ist eine falsche Logik. Ich habe angegriffen und ich muss den Angriff aufgeben. Mir ist der Kurs gegeben, er ist in höchstem Maße   i n d i v i d u e l l!  Individuell heißt, du musst nicht darauf warten, dass dein Partner den Kurs macht, individuell heißt, du musst ihn machen. Weil du dann den Partner und die ganze Welt anders wahrnimmst. Es ist kein Kurs für Paartherapie! Den musst du nicht mit dem anderen zusammen machen, den musst du alleine machen! Um deine Beziehungen anders wahrnehmen zu können, denn du nimmst sie wahr. Selbst, wenn du mit dem anderen den Kurs machst, nimmst du den anderen wahr. Denn noch bist du hier ein Individuum und da muss erst mal etwas passieren.

Auch diesbezüglich hat der Kurs also eine andere Auffassung, als du früher gelernt hast, wo du geglaubt, hast: „Na, wir müssen zusammen eine Paartherapie machen.“ Nein, das müsst ihr eben nicht. So etwas versuchst du in einer Freundschaft. Ohne zu bemerken, dass du der einzige bist, der seinen Freund oder seine Freundin so wahrnimmt, wie du ihn wahrnimmst, oder sie. Das hat nichts mit euch zu tun, das hat etwas mit dir zu tun. Nicht ihr seid Freunde, sondern du glaubst, der andere ist dein Freund. Bleib bei dir! Und lass dich nicht auf so ein „Wir–Gefühl“ ein, dass nur das Einssein ersetzen soll. Wo das Ego ein künstliches Gruppengefühl, ein künstliches „Wir–Gefühl“ ständig erzeugen will. Auch in Liebesbeziehungen natürlich, klar. Darum geht es nicht mehr.

Ich bin verantwortlich für alles, was ich sehe. Nicht wir, i c h  bin das! Warum? Weil ich in Wahrheit nicht ein wir bin, sondern ein einziges ich. Die Wahrheit ist absolut singulär. Selbst der Vater und der Sohn sind   e i n s, sind   e i n e r   und nicht zwei. Das will das Ego in seinem Beziehungsdenken überhaupt nicht wahrhaben, das kann es auch nicht begreifen. Weil es einen Ersatz für die Wahrheit zu machen versucht, aber es wird immer scheitern. Weil der Ersatz immer noch von der Wahrheit verschieden ist und nicht die Wahrheit ist. Zwei sind nicht eins. Einer ist eins. Da gibt es keinen Kompromiss. Es geht wirklich um dieses Lernen. Und erinnere dich daran, wenn du wirklich willst, dass etwas vorbei … und jetzt müsstest du wirklich sagen, tatsächlich vorbei  war, erinnere es jetzt nicht. Wenn du es jetzt noch erinnerst, willst du nicht, dass es vorbei ist. Und dann frage dich ehrlich: „Warum willst du nicht, dass es vorbei ist?“ Dann wirst du um Rachegedanken die völlig kindisch sind, völlig absurd sind, nicht umhinkommen, dass du Rachegedanken, Strafgedanken, boshafte Gedanken in deinem Geist findest.

Und dann wird dir klar: Jetzt leidest du nur noch unter deiner eigenen Rache, unter deiner eigenen Bosheit – unter deiner Unversöhnlichkeit, unter deiner Nichtvergebung. Weil du dir noch nicht vergeben hast, weil du dich nicht berichtigst, dich selber. Längst hat der andere aufgehört, du machst weiter. „Nachtragend“ ist ein ganz hilfreicher Terminus dafür. Und jeder der nachtragend ist, will nicht heilen. Und darum wehrt er sich auch in der Psychotherapie gegen Heilung. Er sucht sich also gar nicht einen Therapeuten, sondern er sucht sich jemanden, der ihm sogar noch helfen soll, die Erinnerung wachzu halten. Und das kann ja wohl nicht Therapie sein. Und er benützt alle Gespräche, er benützt sein Handy, seine Tagebücher, jede Begegnung nur dazu, um die Verletzung wach zu halten. Während er verzweifelt bemüht ist, sich außen mit dem Körper etwas Gutes zu tun, außen eine heilende Berührung, eine Entspannungsübung, eine zärtliche Umarmung … will er den Seelenschmerz festhalten, den inneren Schmerz. Und darum sagt er dann: „Mein inneres Kind bleibt aber verletzt.“ Und dieses innere Kind will er nicht heilen. Das wurde irgendwann mal so gesagt. Aber für das innere Kind bist du verantwortlich.

Das ist sozusagen deine nicht vergebende Kindheit, die du immer noch erinnern willst. Was nützt es dir, wenn der Körper ein Erwachsener ist und du hältst an dem verletzten inneren Kind fest, obwohl du gar kein Kind mehr bist. Und dein Vater dieses Kind gar nicht mehr schlägt, weil du gar kein Kind mehr bist. Hier geht das Egodenksystem … hier wird es tatsächlich wahnsinnig, es ist   W a h n s i n n   so etwas zu denken! Im nächsten Moment sagst du jemanden: „Ich bin doch kein Kind mehr. Ich entscheide selber, was ich esse.“ Und im nächsten Moment bist du wieder das verletzte innere Kind. Da kennt sich niemand mit mir aus, da kennt sich kein Partner aus, kein Freund. Na, mit einem Freund lebst du ja auch nicht. Aber das sind die   w i d e r s t r e i t e n d e n   Wünsche, die Heilung absichtlich unmöglich machen. Es ist eine Vielzahl an Konzepten, da werden heute noch Bücher darüber geschrieben, die ich einfach nur für bösartig halte. Warum? Warum sage ich jetzt bösartig? Weil ich Schmerz nicht für liebevoll halte, sondern für bösartig. Von seiner Art her ist Schmerz sicher nicht etwas Liebes, sondern etwas Böses. Er fühlt sich auch so an. Und darum sind solche Ratschläge bösartig. Weil sie dir nicht helfen. In der Wirkung sind sie bösartig, im Geist sind es bedeutungslose Gedanken. Und du musst aufpassen, dass du denen nicht eine falsche Bedeutung gibst, die dich dann täuscht. Eine falsche Bedeutung wäre: Ja, das ist doch aber hilfreich, ja, das ist doch heilsam. Ja, das ist eben nicht heilsam. So eine inneres Kind in die Welt zu posaunen während du ein Erwachsener bist. Als Erwachsener wärst du längst geheilt, wenn du die Kindheit endlich vergessen würdest. Aber du hältst sie fest. Und du willst in der nächsten Situation auch nicht ein Kind sein und nicht einfach nur Taschengeld bekommen, sondern möglichst viel Geld.

Es ist dieses Konfliktdenken mit dem wir uns das Leben zur Hölle machen und die Beziehungen im wahrsten Sinne des Wortes unerträglich werden – für jeden von uns. Jeder Psycho hat an sich längst die Nase gestrichen voll, und wenn er nicht das Geld brauchen würde, wäre er froh, wenn kein Klient zu ihm kommt, der ihm wieder diesen ganzen „Sums“ da erzählt. Und dein Freund wäre eigentlich auch froh, wenn du ihn nicht anrufst und ihn wieder mit diesem alten Kram verfolgst. Das einzige: er freut sich halt, weil er dir auch den Kram erzählen kann und dass du ihm irgendetwas Teures schenkst. Oder ihm eine teure Wertschätzung schenkst, die er dringend braucht. Wer in so einem Geistzustand ist, der bettelt wirklich um Almosen. Und ich will nicht um Almosen betteln, indem mir irgendjemand eine Wertschätzung gibt, nur weil ich seinen ganzen Schrott dazu höre und ihn auch noch darin bestätige. Da brauche ich nicht, dass mir jemand sagt: „Du bist der beste Freund, den es gibt“, das ist ein Almosen. Es geht darum, dass wir nüchtern darauf schauen.

Und da die Vergangenheit eine Idee in deinem Geist ist, eine zeitliche Idee … wenn du heilen willst, dann erinnere dich daran, wie froh bist du, während du geschlagen wirst, dass das aufhört. Dann bleibe aber auch dabei. Bleibe wirklich dabei und verliere kein Wort mehr darüber. Und verschwende keinen Gedanken, sonst willst du nämlich nicht, dass es vorbei ist und sei dir sicher, das Ego will nicht, dass es vorbei ist. Es stellt es sich in der Zukunft auch vor. Wie? Naja, dass du morgen noch einmal darüber redest. Die Tat, nichtsahnend, dass du sie mit der Erinnerung wach hältst. Schon längst bräuchtest du nicht mehr zu leiden, wenn du die Tat als einen Wunsch danach, den Gott dir nicht erfüllen kann … wenn du wünscht zu sterben, das erfüllt Gott dir nicht, wenn du wünscht, zu leiden, dass erfüllt Er dir nicht. Das musstest du selber lernen. Und zwar, unter Schmerzen. Alle deine Kreuzigungslektionen hast du dir selber beigebracht. Und Gott hat das Heilmittel dahin gelegt, wo es hingehört – in deinen Geist. Und jetzt sagt Er dir: „Egal, wie sehr du das schon konkret erinnert hast, und es andere erinnern,   b e r i c h t i g e   den Fehler in deinen Geist und entscheide dich gegen den Schmerz.“ Warum? Weil du ihn ja fühlst. Und du sagst ja auch: „Ich brauche nur daran zu denken, dann tut mir das weh.“ Na eben, dann denk doch nicht mehr daran, das wäre die Lösung! „Ja aber, wie kann ich nicht mehr daran denken?“ Durch Vergebung! In dem ich die Zeit anders verwenden will. Indem ich die Zeit und die Erinnerung beende. Es ist die einfachste Lösung, es ist die einzige Lösung, wo du dein Ziel nicht veränderst, aber du brauchst Disziplin. Und du musst Freundschaften anders wahrnehmen, weil du sie dafür gemacht hast und benützt hast. Und du musst Therapeuten anders wahrnehmen, weil du sie dafür gemacht und benützt hast, und alles was du gemacht hast, um die Erinnerung zu bewahren. An eine Idee, die du gar nicht mehr erinnern kannst. Warum nicht? Weil Gott sie in deinem Geist längst beantwortet hat. Wie hat Er sie beantwortet? Er hat sie   n i c h t .  beantwortet. Er hat dir diesen Wunsch   n i c h t   erfüllt…..

 

2 Gedanken zu „… dann will jetzt wirklich, dass es vorbei ist, Bruder!“

  1. Ist damit gemeint, das ich ständig vergeben muss im Geist, den ganzen Tag lang, mir und anderen, egal ob ich es als positiv, negativ oder schmerzlich empfinde, was ich sehe oder spüre, ob jemand mir gegenübersteht oder weit weg ist, um die Ursachen zu ändern ?

    Was mache ich mit der Wirkung in Bezug auf Handlung?
    Vielen Dank
    Annemarie

  2. Liebe Annemarie,

    Ja, das ist damit gemeint! Ich w i l l ständig im Geist vergeben – meinen Fehler und den Fehler des anderen – den mein Bruder nicht getan hat – in meinem Geist. Und gegen meine Gefühle – egal welcher Art, ob positiv oder negativ – w i l l ich mich entscheiden. Denn ich entscheide, ob ich weiter leiden will, oder unglücklich sein will …
    Das kannst du sicher gut nachvollziehen! Ich frage mich dann meistens, wenn ich mit irgend jemandem im Groll bin, ob „scheinbar“ (lt. meinem alten Lernen) gerechtfertigt, oder ungerechtfertigt: bin ich jetzt in Frieden, fühle ich mich wohl in meinem Groll, bin ich glücklich – oder bin ich unglücklich und ganz und gar nicht im Frieden? Die Antwortet lautet dann immer: Nö, mir geht’s gar nicht gut, ich fühle mich absolut nicht wohl!

    Also, entscheide ich mich gegen mein Gefühl des Schmerzes, der Trauer, des Grolls! Das kann ich! Und vergebe meinem Bruder, was er nicht getan hat. Das kann manchmal dauern, ist nicht immer in fünf Minuten erledigt, aber wenn ich dran bleibe, „zahlt“ es sich aus!

    Was empfange ich dann? Das was ich gegeben habe: ein wirklich gutes Gefühl und einen inneren Frieden, der mich einfach froh sein lässt!

    Denn der Kurs lehrt uns, wenn ich meinem Bruder vergebe (was er nicht getan hat), dann ruht die Vergebung auf mir und ich empfange, was ich gegeben habe. Dann bin im Frieden und in der Liebe! Das ist dann die Wirkung meiner Vergebung!

    Wenn ich vollständig vergeben habe – das heißt, ich vergebe solange, bis ich die Situation anders, geheilt wahrnehme – dann ist auch die Wirkung eine andere – eine geheilte.

    Wie Michael immer sagt so schön sagt: Vergebe und sei froh!

    In diesem Sinne, alles Liebe
    Monika

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