Der Wunsch

Es war einmal ein kleiner Wunsch.

Ein winz’ger Hauch, beinahe Nichts,
den ich zu Anfang des Gedichts
nur kurz, flugs unachtsam dachte.
Eine Idee, ganz unscheinbar,
reichlich verschwommen, sonderbar,
der Wunsch dies’ Etwas hier zu haben,
an seinen Gaben mich zu laben,
mich zu erfreuen, es zu lieben,
eines zu haben – oder sieben.

Und plötzlich – eh ich mich verseh’
Tut etwas in mir schrecklich weh:
Dies Ding, das ich so gerne hätte,
es lieget nicht in meinem Bette!
Ich habe keins, es ist nicht da,
und was ich habe – sonderbar –
das will so gern ich gar nicht haben,
es hat nicht mehr die rechten Gaben.

Und so beginnt mein Leidensweg,
auf dem nach diesem Ding ich streb.
Will es ergattern, finden, haben,
will mich an seinen Gaben laben.
Doch leider ist es wirklich Ernst:
Durch Streben du dich stets entfernst.
Das Ding der Träume – ach du je –
Es ist nicht hier. Und das tut weh.

So fang ich doll zu leiden an
Bin traurig; fröhlich dann und wann,
das Ding kommt nah, doch bleibt es fern,
stets unerreichbar wie ein Stern.
Ich kann es sehen, fühlen, schmecken
Und alles über es entdecken,
doch zu meiner großen Pein
ist es noch immer nicht ganz mein!
Ich will es haben, es beschützen,
es täglich, stündlich, ständig nützen!
Doch wie von Zauberhand geleitet
es fern von mir mir Schmerz bereitet.

Und just in meiner bitt’ren Not,
reicht Jesus mir sein saftig’ Brot:
„Du musst vergeben, kleiner Mann,
sonst tun die Dinge dir das an!“
Ich bin verschreckt, ja, ganz erschrocken:
Will er wohl auch ins Leid mich locken?
Jetzt leid’ ich hier doch schon so lange
und was er sagt, das macht mir Bange.
Verlust und Schmerz, den hab ich schon!
Jetzt hab ich’s: Ich spring vom Balkon!

Nun, da auch dieser Plan
Mich nicht ganz überzeugen kann,
beginnt in mir ein Licht zu dämmern: Vielleicht hat er ja recht!
Ein Fortschritt wäre jetzt nicht schlecht.
Zu lange leid’ ich schon des Dinges wegen –
Will nicht mehr leiden, ich will leben!

Und von diesem Wunsch beseelt
Ich eilig aufgib’ was mich quält:
Der Wunsch zu Haben ist der Fluch,
ich eigentlich den Frieden such!
Was will ich solch ein Ding nur haben?
Was nutzen seine kargen Gaben?
Nein! – Frieden will ich, Sakrament!
Hab viel zu lange schon gepennt!
Mensch, so einfach ist mein Weg
Ich einfach nur das Ding aufgeb!

Und in mir warnen tausend Stimmen
Vor lauter fürchterlichen Dingen!
Das ist doch Selbstbetrug! Verrat!
Man nachher wirklich gar nichts hat!
Und nur die Hoffnung stirbt zuletzt,
pass du bloß auf dass dich das nicht verletzt!

Doch lang genug hab ich gelitten
Bin auf des Wunsches Qual geritten
Seh’ wirklich nur den einen Weg:
Dass diesen Wunsch ich ganz aufgeb.

Und so vergib ich und vergib
Vergeb was war, vergeb was blieb,
vergeb tagein, vergeb tagaus,
seh’ meistens müd’ und traurig aus.
— Ja warum machst du diesen Scheiß?
— Ach sei doch Still, ich weiß, ich weiß.

Und nun, nach ungezählten Wochen
Kommt in mir öfters angekrochen
Ein kleines Licht, ein Stiller Segen
Und spendet Trost, und spendet Leben.
Und dann und wann – zum Beispiel heut’ –
Überkommt mich eine große Freud:
Dass um nur froh zu sein – zu leben
Ich muss nichts haben: ich kann geben!

Und denk ich dann mit Freud’ ans Ding
Ich eilig es zu Jesus bring,
damit er es für mich bewahre,
und ich höre seine klare,
unbegrenzte Liebe …
… bei der am liebsten ich stets bliebe.

So habet Dank ihr Brüder heut,
und teilet mit mir diese Freud.
Ich danke euch für das Geleit,
der Weg bisher – er war nicht weit,
bin nur sehr zögerlich gegangen
— aber: ich hab angefangen!

Und quält auch dich ein solches Ding,
so mach’s wie ich, der ich es bring,
tagein, tagaus zu Jesus hin,
und sieh doch mal wie froh ich bin.

In Liebe und Dankbarkeit, Felix

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