Was Sie nicht sagen! 2. Teil

Heute möchte ich eine weitere Frage (Klage 3) und Antwort aus dem erwähnten Artikel ‚You don’t say!‘ aus dem Miracle Worker anbieten (siehe 13.4., der dortige Formatierungsfehler ist inzwischen behoben).

Vorbemerkung: Ich frage mich, wozu, wem dienen solche „Dialoge“, ist es hilfreich, sie zu veröffentlichen, zumal die Autoren als Fazit selbst anmerken, die Klagen seien auch Ablenkungen davon,  einfach ans Werk zu gehen. Im Sinne des Kurses sind es Pseudofragen, die Bedingungen an die Antwort stellen (s. Textbuch, Kap. 27, Abschn. IV: ‘Die stille Antwort‘). Die von außen gegebene Antwort kann aber den fragenden Geist anleiten und erinnern, still zu werden, eine Antwort zu hören, die aus einer anderen Quelle entspringt, die letztlich in einem selbst liegt. Ich denke, so sind die Antworten zu nutzen, wer mag.
Rainer Maria Rilke hat lange vor dem Kurs mehrfach ‚Briefe an einen jungen Dichter’ geschrieben,  in denen er dessen Fragen und Selbstzweifel  (ist es gut, was ich mache, ist es richtig, was bringt es, liest es überhaupt jemand, usw.) in einfühlsamer, gütiger Weise in den Dichter zurücklegt: die Antworten lägen letztlich in den Tiefen seines Lebens an der Quelle.
Also, jetzt zur Klage 3:

Klage 3: Der Kurs spricht über Liebe und Glück, scheint mir aber die Tatsache zu ignorieren, dass nun einmal ‚schlechte‘ Sachen passieren.
In seiner reinen Form würde der Kurs sagen: a) Nichts (von all unseren Erfahrungen und dem, was wir daraus an Geschichten gemacht haben) geschah wirklich, weil wir in einem Traumzustand oder einer Illusion leben; b) Wenn wir jedoch glauben, diese Illusion sei wahr und sie entsprechend so erleben, so haben wir das, was immer wir erleben, machtvoll miterschaffen; und c) Es gibt weder gut noch schlecht.
Zunächst mag es schwierig sein, diese Grundsätze zu verstehen, weil sie sich so völlig unterscheiden von unserer gewohnten Art und Weise, die Welt zu betrachten. Man kann vielleicht noch leicht dahinsagen: „Mag sein, dass da was dran ist“,  wenn die Dinge in unserem Leben gerade gut laufen. Aber wenn wir etwas Schmerzhaftes erlitten haben, etwa den Verlust eines uns nahestehenden Menschen, oder eine Enttäuschung oder  Verrat in einer Beziehung, oder den Verlust eines Jobs, oder eine Krankheit, dann können diese Prinzipien schwer zu ertragen sein.
Geradewegs vom Schmerz des Verlustes zum vernunftmäßigen Denken “es ist nichts geschehen“ hinüberzuwechseln ist nicht die Lösung. Wir existieren in einer menschlichen Form, und diese menschliche Form erlebt Schmerz. Wenn wir stattdessen mitfühlend mit unserem Schmerz im Einklang mit diesen Kursprinzipien vorgehen, kann und wird sich ein Verständnis von „wozu dient das?“ entwickeln.
In jeder Situation, in der du unsicher bist, ist das Erste, was es zu bedenken gilt, ganz einfach: »Welches Ergebnis will ich? Wozu dient es?«  (T-17.VI.2:1-2).
Je mehr wir das praktizieren, umso mehr wächst unser Mitgefühl für andere und uns selbst.

Ein Gedanke zu „Was Sie nicht sagen! 2. Teil“

  1. Lieber Bruder,
    danke fürs Übersetzen und mich hieran erinnern: In jeder Situation, in der du unsicher bist, ist das Erste, was es zu bedenken gilt, ganz einfach: »Welches Ergebnis will ich? Wozu dient es?« (T-17.VI.2:1-2).
    Ich will mich auch daran erinnern, dass alles zu unser aller Bestem dient.
    Seid gesegnet.

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