Den ‚Fängen der Desillusionierung‘ entrinnen

Ich biete eine neue Übersetzung eines Artikels aus der englischen Kurs-Zeitschrift Miracle Worker an, von Nouk Sanchez, einer australischen Kurslehrerin:                                 ‚Escaping the Clutches of Delusion: Fear, Pain or Scarcity‘, auf deutsch etwa: ‚Den Klauen (oder Fängen, oder der Umklammerung) von Desillusionierung entrinnen: Angst, Schmerz oder Mangel‘.                                                                                                                                  Auf Anfrage (Hans.Owesen@t-online.de) schicke ich die Übersetzung als pdf-Datei gerne zu.  Ich möchte zu diesem Thema auch noch etwas über eigene Erfahrungen sagen: Mich berührte beim ersten Lesen die konkrete Erfahrung der Autorin, die nach dem Tod ihres Seelenpartners (deren beider Beziehung und Geschichte kannte ich aus einem Artikel im Miracle Worker vor etwa 2 Jahren, den ich damals auch übersetzt hatte) trotz allen Vertrauens in den Heiligen Geist in eine innere Hölle geriet (wie sie schreibt). Ich erkannte mich wieder in einer für mich sehr belastenden Erfahrung von Trennung, die zwar nicht durch den realen ‚Tod‘ erfolgt war, aber mit einer ähnlich erlebten Hilflosigkeit und Verzweiflung verbunden war.

Ich hatte allerdings Schwierigkeiten damit, nachzuvollziehen, wie die Autorin ihre Erfahrung und ihre letztendliche Befreiung in den größeren Kurs-Zusammenhang stellte, weil ich (wie sie selbst ja auch) anfangs etwas nicht wirklich klar verstanden hatte bzw. nicht umsetzen konnte, das zentral für den Kurs ist, nämlich:

Es geht auch dann um Illusion oder Täuschung, wenn ich dem Schönen, Wünschenswerten, Guten eine Bedeutung gebe („ich will es doch nur schön haben“), die schließlich jederzeit vergänglich und bedroht ist;  je mehr falsche Bedeutung ich ihr gebe, sie wirklich mache, umso stärker ist auch irgendwann die Des-Illusionierung oder Ent-Täuschung („und dann kommt etwas Böses dazwischen“), was dann zu Ärger, Beschuldigung usw. führt („deshalb geht es mir jetzt schlecht“), zur Verzweiflung, ins Verdrängen und in diesem Kreislauf  sicher zu neuen „schönen“ Illusionen.

Der Fehler beginnt also schon bei der ersten Illusion; wenn ich die nicht berichtige, bleibe ich in den Klauen der Desillusionierung gefangen, und wenn ich die nicht berichtige … es ist dann so wie  bei den so anschaulichen Kettenrechnungs-Beispielen in den Sessions:  jeder Fehler führt weiter weg von der ‚Wahrheit‘, und um diese Berichtigungen geht es auch in dem Artikel, worum auch sonst …

Im Kurs gibt es eine Stelle, die diesen Zusammenhang sehr klar ausdrückt:                        „Das Gegenteil von Illusion ist nicht Desillusionierung, sondern Wahrheit. Nur für das Ego, für das die Wahrheit bedeutungslos ist, scheinen sie die beiden einzigen Alternativen zu sein. In Wahrheit sind sie gleich. Beide bringen dasselbe Maß an Elend, obgleich jede die Möglichkeit zu sein scheint, das Elend loszuwerden, das die andere mit sich bringt (T-22.II.1:1-4).

Erst durch Kursstudium und hilfreiches Nachfragen erschien mir dann der ganze Artikel und auch mein eigenes Erleben noch einmal in einem anderen, klareren Licht. Ich erkannte auch immer mehr meine ganz „wirklichen“ alltäglichen Illusionen, denen ich  manchmal hinterherlaufe oder –fahre (weil ich etwas haben will: Ruhe, Frieden, Heilung, Liebe, Sicherheit, Berührung, Beachtung, Gespräche, Verlässlichkeit, …); und aus diesem Gefühl des Mangels oder Ärgers muss es zur Des-Illusionierung kommen, zu lauter ‚kleinen Toden‘, aus deren ‚Klauen‘ es in meinem dualen Denken kein wirkliches Entrinnen gibt.

Aber wenn ich erst einmal anfange, aus diesem Kreislauf auszusteigen und innezuhalten, erinnere ich mich doch immer besser:  was bin ich wirklich, wo will ich wirklich hin, was brauche ich wirklich, dann bin ich im Jetzt, fern meiner vergangenen  Assoziationen und Heilspläne, dann  muss ich nicht mein Leben nach äußeren Stimmen ‚führen‘, sondern kann mich führen lassen.

Ich kann (den Frieden, die Liebe, die Ruhe, die Heilung, …) nicht haben, wenn ich (.. , .. , ..) nicht gebe; statt haben zu wollen im Ein(s)verstanden sein. Und das mache ich auch immer mehr ganz praktisch. Anfangs erschien es mir unmöglich, so überhaupt denken zu können, irgendwann war es aber wie mit dem Gehen auch, und doch muss ich (den Weg) gehen, schrittweise. Nur mich hinsetzen, über das Gehen nachdenken und es verstehen wollen, reicht mir nicht (mehr) zum Entrinnen aus dem ‚Tod‘, oder, wie es im Artikel heißt, den Fängen der Desillusionierung.

Mich immer wieder berichtigen können, das war die eigentliche Lektion, und so diente mir diese Übersetzung mehr denn je nur als Mittel, das ich jetzt loslassen und (wie immer mit Genehmigung des Miracle Worker) einem anderen Zweck zuführen kann.

 

4 Gedanken zu „Den ‚Fängen der Desillusionierung‘ entrinnen“

  1. Dankbar bin ich, dass dein Beitrag gerade jetzt erscheint, weil ich mich mal wieder mit einem Beziehungstraum befassen wollte, oder besser: mein vergangenes Lernen benutzen wollte um diese Beziehung zu bewerten (und mein Schmerz zu analysieren). Ha! Ich weiß von nichts was es bedeutet, auch wenn „ich“ immer wieder denke, es doch zu wissen. Jede Situation dient als hilfreiche und liebevolle Lektion, das fällt mir bei jedem Unfrieden -Kurs-sei-Dank- schnell ein (das es liebevoll sein soll, den Schmerz anzuschauen, glaubt das Ego auf keinen Fall) , insbesondere das, was ich eine sehr besondere Bedeutung gegeben habe – wo ich interpretiere und erwarte, wo ich bilder gemacht habe, vor allem schöne bilder , die dann schleichend irgendwelche Hoffnungen lebendig machen wollen – „schöne“ Illusionen!? Danke für diesen Hinweis und den Kurszitat. Und wieder einmal vergas ich zu lachen, doch konnte ich auch meine Enttäuschung und Eifersucht als Irrtum sehen und als Hilfe annehmen – das alles „Nicht-Vergebung“ zu nennen macht es einfacher und daher sehr hilfreich für mich (wie heute in der Session, danke). Nur Nicht-Vergebung oder (Des)illusion oder Angst. Angst, dass mir was fehlt, dass mir was fehlen könnte. Wieder ein Neu-Beginn mit den Gedanken: …und ich bin Gottes Sohn und daher nur Liebe! Danke!

  2. Lieber Bruder Hans,
    wie Du weißt, nehme ich dein Angebot gerne und dankend an und freu mich heute schon auf Deine Übersetzung.
    Was Du vielleicht nicht weißt, ich muß, ja ich möchte dir mehrfach danken. Denn angeregt durch deinen Hinweis auf einen älteren Artikel von derselben Autorin, welchen du ebenfalls übersetzt hattest sowie aus Lust auf mehr (nach dieser anregenden Ankündigung), stöberte ich in den zurückliegenden Übersetzungen von dir, welche ich alle schön gesammelt und offensichtlich noch nicht in gänze durchgelesen habe. Diesmal las ich den Artikel sehr aufmerksam, ein Gespräch mit Nouk Sanchez und Tomas Vieira. – Was für ein Geschenk, vor allem auf den letzten Seiten! Ja wirklich!
    Danke für die Bestätigung, nach der ich, seit ich dem Kurs begegnete, insgeheim immer wieder suchte:
    Wie du weißt, lebe ich mit Bernd und unseren 4 Kindern plus zwei erwachsen Töchtern nebst Anhang, meinen Eltern und Kollegen usw. als Kurs Kursschüler ganz allein inmitten meiner ganzen Wahlgemeinschaft von Brüdern, welche alle den Kurs scheinbar einfach nicht mit mir zusammen machen wollen. Es kam zwar schon ab und an mal vor, daß ich den Eindruck hatte, mein Schatz, macht ihn unbewußt mit, den Kurs und trotzdem gibt es auch immer wieder kleine Konfrontationen, vorallem dann, wenn ich von Bernd mit allem möglichen Ärger konfrontiert werde und dieser in seinen Urteilen dann auch noch ausgerechnet von mir Bestätigung erwartet.
    Und wenn ich nun in deiner Übersetzung dieses älteren Artikels lese:
    „… Der Grund, warum ich das sage, ist, dass ich bis dahin überzeugt war, dass zu einer heiligen Beziehung zwei gehören. Nick gab mir die Gelegenheit, zu erkennen, dass einer reicht. Er ist ein Engel, auch wenn er nicht auf diesem Weg ist. Er versteht nicht viel davon, aber er akzeptiert es. Er ist total vergebend. Warum? Ich denke, es hat eine Menge zu tun mit mir, die es zuerst ausdehnte. Nun gibt er das Geschenk an mich zurück und an jeden anderen um ihn herum.“

    „Ich erkannte, besonders in meinem Prozess mit Nick, dass du nicht angegriffen werden kannst, wenn du nicht zuerst diese Selbstverurteilung, obschon unbewusst, nach außen projizierst. Bei Nick war es meine Projektion. Nick war nur mein unbewusstes Selbsturteil, dass in mein Gewahrsein aufstieg. Und es ist dasselbe mit jedem anderen. Der Heilige Geist offenbarte es mir in all seiner Herrlichkeit. Nick spielte buchstäblich die Rolle, mir zu zeigen, wie viel unbewusste Schuld ich in mir trug. Sobald ich mir dessen gewahr wurde, sah ich zu, wie es sich totlief, bekam ein Gefühl von Abstand und nahm es nicht persönlich. Von da an fühlte ich nur Dankbarkeit für ihn. Einen Platz zu haben, mit den Meinigen (’with significant others’), wo wir Dankbarkeit verspüren für ihr scheinbar gegen uns gerichtetes Urteil, ist ein guter Ort für mich. Und das ist es, worum ich für jedermann bete.“

    – Da fällt mir ein:
    Es ist noch nicht lange her, da hat Michael in der Session von der Gabe gesprochen, welche jeder Bruder, der uns begegnet, bereithält, …, von der Tür, als welche sich jeder dieser Brüder uns zur Verfügung stellen will, damit wir mit dem Schlüssel der Vergebung, …, welch ein Geschenk, ihn und uns erlösen können.
    Ich will mich so oft es geht, daran erinnern, damit mir im Alltag nicht immer wieder mal der Blick auf die vielen „Türen“ vernebelt oder versperrt wird.
    Heiliger Geist, ich gebe DIR meine Bereitwilligkeit, ich will es lernen, ja ich will in meinem Bruder den Christus erkennen und erfahren, daß der Himmel kein anderer Ort ist …
    Ich lese weiter:
    „So ist alles in Ordnung. Das ist, was wir angestrebt haben. Wir haben eine große Freundschaft und eine tiefe Liebe füreinander. Sie kann durch nichts bedroht werden. Ich denke, das ist das Beste von allem. Es gibt nichts, was der andere tun könnte, das uns dazu bringen würde, einander zu verlassen. Deshalb, soweit wir über das sprachen, was wir damals gelobten, sind wir an den Punkt angekommen. Wir fühlen es nun in Wirklichkeit. Es ist nicht mehr etwas in der Zukunft. Und es hat auch nicht mit Hoffnung zu tun; es ist dauerhaft.“
    Weißt Du, als wir mit den Kindern vor einigen Tagen mal wieder für einen „Kurzurlaub“ bei euch sein durften, konnte ich mich von meinem Idealbild, welches ich mir vom Mölmeshof offensichtlich immer noch machte, befreien. Es war mein vierter Besuch bei euch. Diesmal aber war es anders. Ich fand mich (der Grund tut nichts zur Sache) mitten in einem unangenehmen Groll wieder, an dem sich mein Ego so richtig festbeißen wollte. Mir wurde recht schnell klar, daß ich den Fehler in meinem eigenen Geist finden mußte und nicht länger den Bruder beschuldigen konnte und andere noch dazu mit „schlechter Laune“ vergiften konnte, ohne etwas ernten zu müssen, was ich selbst gar nicht wollte. Was vielleicht ein kleiner Vorteil war und ist: der für diese Gemeinschaft spricht, ist die Tatsache, daß der Bruder, auf den ich meinen Groll bezog, ein Kursschüler ist. Aber dies ist ja eine allgemeine Lektion und gilt daher auch im Umgang mit Nichtkursschülern.
    Darum:
    Es ist wirklich so, es hat keine Bedeutung, ob ich den Kurs im Kreise der Gemeinschaft von Kursschülern mache oder „allein“ zu Hause und überall, wo ich geh und steh und arbeite. Bedeutsam ist lediglich, daß ich ihn mache und daß ich wachsam bin, um immer weniger auf mein Ego hereinzufallen.
    Danke,
    das Beispiel aus dem von Dir neuerdings übersetzten Artikel interessiert mich ebenfalls sehr. Nicht zuletzt, weil auch ich der allgemeinen Lehre über Verlust, Sterben und Tod nicht mehr folge und dabei bin, diese in meinem Geist zu berichtigen. Was mich nicht mehr wundert, ist die Tatsache, daß sich in meinem Umfeld und Erleben auch prompt aktuelle Ereignisse einstellen, mit deren Hilfe ich mich mit diesem Thema befassen und die Fehler, welche dem alten Denken zu Grunde liegen, berichtigen kann.
    Du hast nun auf die wahre Alternative von Illusionen hingewiesen. Auch dazu finde ich bereits in dem älteren Artikel viele hilfreiche Aussagen. Und Michael wird nicht müde uns immer wieder daran zu erinnern. Es heißt zwar, daß alles das, was Liebe war, bleibt, aber ich muß es vertrauensvoll dem Heiligen Geist überlassen. Denn ich weiß nicht, was Liebe ist. Ich will wachsam sein und meine Ängste kontrollieren.
    Danke

  3. Oh, das interessiert mich, lieber Hans. Meine Verbindung mit Michael hat schließlich als ‚besondere Beziehung‘ angefangen, und im letzten Jahr gab es ziemlich-Einiges, 🙂 was desillusionierend wirkte. Irgendwie hängen wir da noch so etwas in einem ‚Zwischenreich‘ – zumindest empfinde ich es so.
    Also für diesen Artikel wäre ich dir dankbar, lieber Bruder. Sei gesegnet.

    Renate

  4. Danke, lieber Bruder,

    danke für deine Offenheit und Hilfe, durch die ich bereit bin, noch einmal genauer
    hinzuschauen. An den zitierten Satz:
    „Das Gegenteil von Illusion ist nicht Desillusionierung, sondern Wahrheit.“
    will ich mich gern erinnern. Ich bitte den Heiligen Geist nur um wahre Gedanken.
    Vielleicht lasse ich mir ja auch ein T-Shirt mit der Aufschrift (diesmal mit klaren Buchstaben)
    „Wahrheit statt Illusion“ bedrucken. :-).
    Danke. Sei gesegnet.

    Brigitte

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